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Bücher und Kaffee in geistreicher Symbiose

In der Dresdner Neustadt gibt es eine neue Adresse, die Cafe und Antiquariat zugleich ist.  

 

Die alten Sessel sehen einladend bequem aus. Sie sind um niedrige Tischchen gruppiert, an denen aus der Mode gekommene Schirmlampen stehen. Olivgrüne Wände und rotbraune Dielen verschaffen dem Raum eine Atmosphäre aus Wohnstubengemütlichkeit und antiquarischem Charme. Wir befinden uns in »Mycroft's - fine books & coffees«, einem Lesecafe und Antiquariat, das sich seit kurzem zu den Cafes und Kneipen der Dresdner Neustadt gesellt hat und in dem auch schon mal Seminarveranstaltungen stattfinden.

Die Einrichtung, die der Inhaber Falk Hummrich mit Liebe zum Detail und der Hilfe von Freunden geschaffen hat, ist bewusst ausgewählt und der Name des kleinen Antiquariat-Cafes ist Programm. Falk Hummrich interessiert sich schon seit Studienzeiten - er studierte an der TU Dresden Anglistik und Kunstgeschichte - sehr für alte Bücher.

mycroft's - fine books & coffees

Die Idee zu dem Lesecafe und Antiquariat hatte er bereits, als er kurz nach seinem Studium im Buchhandel zu arbeiten, begann. Das ist jetzt mehr als vier Jahre her. Der Verlust des Jobs erwies sich dann als Anstoß, das Ladenkonzept zu verwirklichen, das nicht nur seinem persönlichen Interesse am antiquarischen Buch entspricht, sondern auch eine neue Geschäftsidee in der Stadt darstellt. Zwar gibt es Antiquariate, doch in kaum einem wird der Besucher zu längerem Verweilen bei einer Tasse schmackhaftem Espresso eingeladen. Damit ließen sich sicherlich auch jene Seminare beleben, die hin und wieder mal ausfallen und die man nun in das Lesecafe des ehemaligen TU-Mitarbeiters vertagen könnte.  

An der holzverkleideten Bar, an Wänden und auf Regalen kann man allerhand Nippes entdecken, dabei auffällig viele Bezüge zu dem englischen Meister der Deduktion, Sherlock Holmes. Über die räumliche Gestaltung seines antiquarischen Cafes war sich Falk Hummrich schnell im Klaren. Dabei schwärmt er von den großen und berühmten Kaffeehäusern, die im 19. Jahr-hundert in London, Paris und Wien entstanden. Im Sommer letzten Jahres ging er in der britischen Hauptstadt selbst auf Entdeckungstour durch die Pubs, Cafes und tea shops, um sich Anregungen zu holen. Bei der Namensgebung dann erinnerte sich der studierte Anglist seiner Vorliebe aus Kindertagen für die Detektiverzählungen des Briten Sir Arthur Conan Doyle (1859 - 1930), dessen weitere Werke nie den Ruhm der Sherlock Holmes-Geschichten übersteigen konnten.

Was viele vermutlich nicht wissen, der Meisterdetektiv hat noch einen »älteren« Bruder, Mycroft Holmes, den der Autor Doyle in der Londoner Pall Mall einen Club für Sonderlinge und Exzentriker, den Diogenes Club, gründen ließ. Da dieser eher der Kontemplation denn der Kommunikation dienen sollte, verhängte der introvertierte Mycroft mehrere Regeln, u. a. das strikte Gebot, nicht zu sprechen.  

Diese skurrile Geschichte gefiel Falk Hummrich. Er erklärt: »In vielen Kneipen geht es laut zu. In meinem Lesecafe und Antiquariat wollte ich eine ruhige Umgebung schaffen, in der der Gast Bequemlichkeit und Service findet, in die er sich auch als Einzelner hineintrauen kann und nicht nur in Gruppe. Sprechen ist allerdings bei mir durchaus erlaubt.« Für seine Geschäftsidee hat Falk Hummrich in der Rudolf-Leonhard-Straße, etwas abseits der Neustadt-Hektik, auch die richtige Umgebung gefunden. Für den Anfang ist Falk Hummrich mit der Annahme des Cafes recht zufrieden, obwohl er den »medialen« Aspekt noch weiter ausbauen möchte. So plant er die Aufstellung eines Regals mit Lexika und Literaturhandbüchern, um seiner leseinteressierten Kundschaft auch Referenzwerke zur Verfügung stellen zu können. Das Antiquariat selbst befindet sich im hinteren Teil der Geschäftsräume, die auf eine Terrasse in dem hellen, ruhigen Hof des Hauses führen. Dort sollen die Gäste im Sommer auch lesen und verweilen können. Das Lesecafe war bereits Kulisse für eine Buchvorstellung und einen Balladenabend; für die Zukunft schweben dem Inhaber auch Lesungen, Filmvorführungen und Hörspielabende vor.

Antiquarisch interessierte Besucher finden vor allem Bücher zu Kunst, Geschichte, Kulturgeschichte sowie Belletristik; dabei bietet der anglophilie Ladeninhaber auch viele fremdsprachige Werke (nicht nur in englischer Sprache) an. Aber auch Gäste, die ihre eigenen Bücher zur Lektüre mitbringen, sind willkommen. Mit Sicherheit können die Besucher in »Mycroft's - fine books & coffees« aber die Detektiverzählungen um Sherlock Holmes finden oder das eine oder andere geistreiche Gespräch mit Falk Hummrich.

 Anja Bartho (Dresdner Universitätsjournal 3/2006)

 

Mycroft's - fine books & coffees

Lesecafe und Antiquariat

Rudolf-Leonhard-Str. 38

Tel.: 0351 – 86 27 531

Öffnungszeiten: Di-Sa 16 - 24 Uhr, So 14 - 20 Uhr  

 

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